Think Twice – Cause It’s Another Day For You And Me…im Arbeitsalltag

Von Kindheit an werden wir gefragt, was wir einmal werden möchten. Gilt „glücklich und frei“ eigentlich als zulässige Antwort? In der Schule werden wir darauf getrimmt, bestmöglich aufgestellt zu sein, um nach Ausbildung oder Studium einen

guten Job mit einem guten Gehalt zu erlangen. Und irgendwann sitzen wir nach einigen Jahren im Job an unserem Schreibtisch oder fragen uns auf dem Weg zur Arbeit „Ist es das jetzt eigentlich gewesen?“

Well, think twice – cause it’s another day for you and me – im Arbeitsalltag.

Was willst du mal werden?

Wie lautete deine Antwort als Kind auf die Frage „Was willst du mal werden?“ Hattest du einen typisch „kindischen“ Berufswunsch à la Feuerwehrmann oder –frau, Ballett-Tänzer*in, Arzt oder Ärztin oder gar Rockstar, Prinz*essin und Rennfahrer*in?! Meine Antwort lautete eine Zeit lang Autorin oder Schauspielerin. Nicht weil ich damit reich und berühmt geworden wäre, sondern weil ich schon als Kind eine blühende Fantasie hatte, gerne andere Rollen spielen und damit Menschen zum Lachen bringen konnte. (Damn, ich glaube immer noch, mit einer ordentlichen Schippe Selbstvertrauen und gutem Zuspruch hätte aus mir wirklich eine Schauspielerin werden können, eine sehr lustige noch dazu.)

Hast du dich einmal gefragt, warum man auf die Frage „Was willst du werden, wenn du groß bist?“ nicht mit einer der folgenden Antworten rechnet?

  • Ich möchte ein glücklicher Mensch werden, der freie Entscheidungen treffen kann.
  • Ich möchte ein Mensch sein, der anderen Menschen und allen Lebewesen auf der Erde hilft und sein Bestes gibt, diesen Planeten am Leben zu erhalten.
  • Ich möchte den ganzen Tag nur Dinge tun, die mir Spaß machen und mir nicht sagen lassen müssen, was ich zu tun oder zu lassen habe.

Denn wenn wir einen genaueren Blick auf die oben genannten Berufswünsche werfen, stecken in ihnen doch eigentlich die oben genannten Wünsche, oder nicht?

Ich behaupte, kein Kind der Welt würde antworten „Ich möchte nach meiner Ausbildung/meinem Studium einen einigermaßen gut bezahlten Job erhalten, dem ich 5 Tage die Woche nachgehe, um mich dann am Wochenende und im Jahresurlaub davon zu erholen.“

So kindisch und naiv manche Berufswünsche auch geklungen haben, frage ich mich:

Wann haben wir eigentlich aufgehört, unserem Wunsch nach Freiheit nachzugehen und einen Job zu finden, der sowohl unseren Talenten als auch unseren Wertevorstellungen entspricht?

Seit Beginn meiner Berufsausbildung im Jahr 2006 arbeite ich an ein und derselben Arbeitsstätte. Getreu dem (groß-)mütterlichen Credo „Lerne was Vernünftiges, dann bekommst du einen gut bezahlten Job!“ habe ich genau das getan. Nach Abschluss der Berufsausbildung und der sich anschließenden Berufsbegleitenden Fernweiterbildung, die im weitesten Sinne einem Fernstudium ähnelt, habe ich seit 2015 eine stellvertretende Leitungsposition inne.

Und ich liebe meinen Job – das tue ich wirklich! …aber? Ja, aber…

Der Kampf gegen den inneren Schweinehund

Vielleicht kennst du das auch: du entdeckst ein neues Hobby, nimmst dir vor, mehr Sport zu treiben oder endlich das Buch zu lesen, das seit Wochen geduldig auf deinem Nachttisch darauf wartet, von dir entdeckt zu werden. Völlig motiviert trittst du deinem inneren Schweinehund entgegen und startest in der neuen Woche (denn ab Montag wird alles anders!) voll durch, schaffst 1-2 Workouts oder liest die ersten 10 Seiten und fühlst dich super!

Ja und dann? Dann kickt der berufliche Alltag rein und nach einem anstrengenden Arbeitstag landest du am Abend völlig ausgelaugt auf der Couch. Klare Sache: heute hast du nun wirklich keine Zeit, geschweige denn Energie mehr für Sport oder Lesen. Also Essen bestellen und Netflix an, Hauptsache runterkommen vom stressigen Tag. Nach 2 Stunden wachst du auf, hast von Netflix nicht viel mitbekommen außer der vorsichtigen Rückfrage, ob du eigentlich noch guckst, und schlurfst ins Bett.

„Hallo, I bims. 1 innerer Schweinehund!“

(nicht schon wieder diese fiese Kerl!)

I FEEL YOU! So ähnlich geht es mir leider auch oft.

Verzeih‘ mir also die kleine textliche und sinnbildliche Abwandlung des Phil Collins Klassikers „Another Day in Paradise“ im Titel dieses Blogartikels, aber es war einfach zu passend: leben wir im Paradies? Oder funktionieren wir nur noch im Arbeitsalltag?

Doch wie wäre es, wenn wir aus diesem alltäglichen Trott ausbrechen könnten? Einfach eine gewisse Zeit lang frei sein, das ausprobieren und machen, was wir seit Tagen, Wochen, Monaten und vielleicht sogar jahrelang vor uns herschieben; wenn wir vergessen, welcher Wochentag eigentlich ist, unseren Körper und Geist mal so richtig zur Ruhe kommen lassen und dadurch die Klarheit Einzug hält. Klarheit darüber, wer wir sind, wo wir stehen und wo es zukünftig hingehen soll.

Klingt das gut für dich? Für mich klingt es wunderbar! Meine Augen leuchten wenn ich von Menschen lese, die eine berufliche Auszeit einlegen und in dieser Zeit das erleben, was ich gerade beschrieben habe. Für mich steht fest: das will ich auch! Einfach mal die Pause-Taste betätigen. Ich bin dann mal weg, wie Hape Kerkeling seinen Bestseller-Roman so schön titelte.

„Das Leben bewegt sich sehr, sehr schnell. Wenn du nicht gelegentlich anhälst und dich umschaust, könntest du es verpassen.“

aus dem Film „Ferris macht blau“

Wenn auch du diese Taste drücken willst, habe ich eine gute Nachricht für dich. Das, was du brauchst, ist ein Sabbatical, eine berufliche Auszeit.

Um mit weiteren Worten von Phil Collins‘ Song „Another Day In Paradise“ zu enden: Just Think About It.

Plane dein Sabbatical, deine Auszeit vom Job!

Deine Bea

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